|
Inhalt: Vorgeschichte Wiedereinstieg in den Polizeidienst Die Entdeckung Der Kontakt zur staatspolizeilichen Abteilung des BMfI Das 1. konspirative Treffen mit der Gruppe "Wilhelm Tell" Die Beauftragung durch das Innenministerium Die "Volkssozialistische Bewegung" - VSB Verdeckte Scheinkäufe JUNGE FREIHEIT - Leserkreis bei der Wiener akademischen Burschenschaft OLYMPIA Burschenschaft OLYMPIA - Der Dr. Erwin Pröll-Schriftsatz OLYMPIA - Sonnwendfeier OLYMPIA - Sonderveranstaltung mit PLO Botschafter und FPÖ Ehrengast JUNGE FREIHEIT - Projekt Deutschlandrundreise JUNGE FREIHEIT - Leserreaktion & Mitarbeit JUNGE FREIHEIT - Der journalistische Auftrag: DAS ANTI-NAZI-CAMP JUNGE FREIHEIT - Leserkreis Graz Die konspirative Wohnung Chiffrierung der Berichte Aktivisten- Gruppengründung in Deutschland Motorrad- veranstaltungen Die Kündigung der Bundespolizeidirektion Wien Alternativangebot mit dem Deutschen Verfassungsschutz Freie Marktwirtschaft zur Terrorismusbe- kämpfung Kontakt mit dem Deutschen Verfassungsschutz Forderung an den Bundesminister Dr. Löschnak Der Versuch mit dem Nachrichtenmagazin PROFIL Gedanken & Fragen Weitere Medien des Journalisten |
|
Wiedereinstieg
Der Versuch, mit einem privatwirtschaftlich geführten eigenen Unternehmen die künftige Existenz bestreiten zu können, schlug fehl. Angesichts der Verpflichtungen und der Familie, lag der Schritt nahe, dort anzuklopfen und um Aufnahme zu bitten, wo ich zuletzt tätig war. So rief ich telephonisch in der Bundespolizeidirektion Wien an und machte die erfreuliche Feststellung, daß ausgerechnet der meiner Dienstprüfungskommission 1983 angehörige Obstl. Schererbauer in die Position des Generalinspektors aufgestiegen war. Dieser hatte nicht nur einen ausgezeichneten Ruf, sondern es bestand auch Sympathie. Er war ein Vorgesetzter, mit dem man reden konnte, ein Mensch der es zu keinem Zeitpunkt notwendig hatte auf Rang oder Namen zu pochen. Ein Mann von Welt, von Ansehen und einer Reputation, die nicht viele für sich in Anspruch nehmen konnten. So schilderte ich kurz mein Anliegen und es wurde ein persönliches Gespräch vereinbart. Fast reumütig - als ausgemusterter Revierinspektor - stand ich vor ihm und ersuchte um Wiedereinstellung. Aber keineswegs von oben herab und vielleicht auch noch schadenfroh, bot er mir an, Platz zu nehmen und so sprachen wir auch über meine Erfahrungen in der Politik, bis er sich letztlich zu seinem dem Meeting beigezogenen Adjutanten, der ebenfalls Offizier war, zuwandte und sagte: "Wir nehmen gerne wieder gute Beamte in unsere Reihen auf." Er räumte mir auch noch die Wahl zwischen verschiedenen Dienststellen ein. Bereichert durch zahlreiche, im vergangenen Zeitraum hinzugekommene Ausbildungen, entschied ich mich für den Dienstort der WEGA, die vormals "Alarmabteilung" hieß. Ich sollte dort einen Ausbildungsabschnitt absolvieren und nach der Probezeit von 6 Monaten meinen alten Dienstrang und die entsprechende Gehaltsstufe wiedererlangen. Nach all den negativen Erlebnissen, die mit dem wirtschaftlichen Niedergang einhergingen, war diese Begegnung wie Seelenbalsam und ich konnte einer besseren Zukunft entgegenblicken. Nachdem ich meinen Dienst in der WEGA antrat, mußte ich feststellen, daß meine Kollegen der 80er Jahre längst in die unterschiedlichsten Dienststellen verstreut und nur wenige bekannte Gesichter gegenwärtig waren. Zumeist befanden sie sich in Positionen wo sie mit administrativen Aufgaben betraut waren, wie beispielsweise der Abteilungskanzlei oder auch der Waffenkammer. Selbst schon knapp über 30 Jahre alt, jedoch auch als aktiver Sportler und Schwimmlehrer tätig, war die körperliche Leistungsfähigkeit, noch weit über dem erforderlichen Durchschnitt, wie auch die medizinischen/sportlichen Tests ergaben. So sah ich mich einer Kollegenschaft gegenübergestellt, die im überwiegenden Teil um einige Jahre jünger war. Dem internen Informationsfluß verdankend kam es, daß ich mich unmittelbar nach Dienstantritt schon mit Fragen der politischen Zugehörigkeit konfrontiert sah - Fragen wie: "Stimmt es, daß Du ein Grüner bist?". Der Ausbildungsabschnitt in körperlicher Hinsicht stellte sich problemlos dar. Was aber das im Zeitraum meiner Abwesenheit in Kraft getretene Sicherheitspolizeigesetz betraf, stieß ich bei der inhaltlichen Auseinandersetzung, dem Selbststudium auf Probleme. Unterstützung war leider auch nicht bei der Kollegenschaft zu finden, erklärten sich diese doch selbst unwissend. Es ist meist im Leben schwieriger als Wiedereinsteiger den Anschluß zu einer in sich geschlossenen Gruppe zu finden, doch dessen war ich mir bewußt. Wahrscheinlich hätte es ein Neueinsteiger leichter gehabt, als ein Kollege so wie ich, der bereits in dieser Einheit diente, als manche Angehörige noch gar nicht Polizisten waren. Einerseits war ich in den 80er Jahren in einer anderen Kompanie, andererseits gab es auch unter den einzelnen Kompanien Konkurrenzdenken und Mißgunst. Des weiteren machte ich Wahrnehmungen in den Gemeinschaftsräumen, die ich mit Mißbilligung und Verachtung beobachtete. So wurden beim Fernsehen im Aufenthaltsraum, wenn langhaarige Menschen, Ausländer oder Politiker der Grünen Partei gezeigt wurden, diese nicht nur diskriminierend apostrophiert, sondern regelrecht zu Feindbildern hochstilisiert. Dies war der Grund, weshalb ich Distanz zu den jetzigen „Kollegen“ hielt. Eine derartige Auseinandersetzung, wie ich sie feststellen konnte, war keinesfalls mit meinem persönlichen Weltanschauungsbild in Einklang zu bringen. Eine menschenverachtende Anschauungsweise, fortwährende Gespräche über deren unterschiedliche Sexualpraktiken, verbunden mit Darstellungen durch die neuen Kollegen ließen in mir die Frage aufkommen, in was ich denn da hineingeraten war. Zusätzlich gab es eine Kerngruppe der damaligen Personalvertretungsgruppe der FPÖ, die der AUF-Bewegung angehörte oder sich zu dieser bekannte, die mit ihren Parolen und der Vehemenz der Ausländerfeindlichkeit auch Besorgnis in mir hervorrief. War es doch nicht eine x-beliebige illustre Personengruppe, die da lautstark im Kollegenkreis gegen Ausländer herzog, sondern ein Teil des Exekutivdienstkörpers, der sich zur Elite der Österreichischen Sicherheitseinrichtungen zählte. Als ich meinen Dienst antrat wähnte ich mich eben dieser Elitegruppe anzugehören, statt dessen offenbarte sich ein rassistisches Wespennest, in dessen Kern es scheinbar schon längere Zeit brodelte. Von den Medien nicht unbeachtet, veröffentlichte die österreichische Tageszeitung Der Standard am 28.1.1994 einen Artikel, wo unter anderem von belästigten Bürgern sowie dem Verdacht von rechtsextremer Gesinnung innerhalb dieser Einheit berichtet wurde. Artikel
von Michael Völker - "Der Standard" vom 28.1.1994
Copyright Walter Egon Glöckel 2007 - alle Rechte vorbehalten |
||