zum neuen TV-Beitrag von DER GLÖCKEL

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Inhalt:

Vorwort


Vorgeschichte
Wiedereinstieg in den Polizeidienst
Die Entdeckung
Der Kontakt zur staatspolizeilichen Abteilung des BMfI
Das 1. konspirative Treffen mit der Gruppe "Wilhelm Tell"
Die Beauftragung durch das Innenministerium
Die "Volkssozialistische Bewegung" - VSB
Verdeckte Scheinkäufe
JUNGE FREIHEIT - Leserkreis bei der Wiener akademischen Burschenschaft OLYMPIA
Burschenschaft OLYMPIA - Der Dr. Erwin Pröll-Schriftsatz
OLYMPIA - Sonnwendfeier
OLYMPIA - Sonderveranstaltung mit PLO Botschafter und FPÖ Ehrengast
JUNGE FREIHEIT - Projekt Deutschlandrundreise
JUNGE FREIHEIT - Leserreaktion & Mitarbeit
JUNGE FREIHEIT - Der journalistische Auftrag: DAS ANTI-NAZI-CAMP
JUNGE FREIHEIT - Leserkreis Graz
Die konspirative Wohnung
Chiffrierung der Berichte
Aktivisten-
Gruppengründung in Deutschland

Motorrad-
veranstaltungen

Die Kündigung der Bundespolizeidirektion Wien
Alternativangebot mit dem Deutschen Verfassungsschutz
Freie Marktwirtschaft zur Terrorismusbe-
kämpfung

Kontakt mit dem Deutschen Verfassungsschutz
Forderung an den Bundesminister Dr. Löschnak
Der Versuch mit dem Nachrichtenmagazin PROFIL
Gedanken & Fragen
Weitere Medien des Journalisten

Gedanken & Fragen

Vor einigen Monaten führte ich mit einem hochrangigen Beamten im Innenministerium ein längeres Gespräch und erkundigte mich nach seinem Befinden (2002). Uns verband zurückliegend ein gemeinsames Betätigungsfeld. Er teilte mir mit, daß er keine Arbeit mehr zugewiesen bekomme. Er sitze an einem Schreibtisch ohne wirklichen Aufgabenbereich und wie auch bei anderen Beamten verlautete es immer wieder: "Wartet´s nur, bald kommen diejenigen, die Euch zeigen werden, wie man die Arbeit richtig macht". Das geht nun schon seit dem Regierungswechsel zur ÖVP-FPÖ Koalition. Mein Bekannter kein "kleiner" Schreiberling, der Akten sortiert oder unbedeutende Schriftsätze fertigt. Ich verglich den an seinem Arbeitsplatz vorherrschenden Zustand, gleichsam eines Ministers ohne Portefeuille - ein Minister ohne zugewiesenen Sachbereich. Es war bedrückend und erschreckend von einem derartigen Mann zu hören, daß er eigentlich nur noch die Jahre bis zu seiner Pensionierung absitzen wolle. Er gehörte nunmehr zu der nicht unbeachtlichen Anzahl von Beamten, die bereits resignierten und innerlich aufgaben, wie schon viele andere auch in den Jahren vor der ÖVP-FPÖ Regierung. Ob auf einem einfachen Wachzimmer oder wie eben in diesem Fall im Ministerium, wo es viele engagierte und motivierte Beamte gibt, die am System scheiterten oder zerbrachen. Anm.: 2005 ist der genannte Beamte bereits nicht mehr im aktiven Dienst.

Wir haben einen mehr als nur latent zu bezeichnenden Antisemitismus und eine ausländerfeindliche Gesinnung, nicht nur in Österreich, sondern ebenso in zahlreichen anderen Ländern dieser Welt.

Auszug aus dem Volks-Brockhaus, Deutsches Sach- und Sprachwörterbuch für Schule und Haus 1939 zum Thema Juden:

Adolf Hitler hat die Epoche der Gleichberechtigung der Juden in Deutschland zum Abschluß gebracht und die Judenfrage auf rassischer Grundlage nach dem alten, geschichtlichen Grundsatz der reinlichen Scheidung gelöst.

Photographie aus 2002
Aufnahme einer Graffitidarstellung in einer öffentlichen WC-Anlage vom 19.11.02 eines Einkaufszentrums im Süden Wiens

Neulich wurde ich in einer Gemeindestube vorstellig und versuchte für einen Bekannten, der türkischer Abstammung war und bereits seit einiger Zeit die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, einen Arbeitsplatz zu finden. Ein verantwortlicher Bediensteter äußerte Bedenken bezüglich einer Beschäftigung, obwohl Arbeitsplätze frei werden würden, mit der Begründung, daß es sich um einen Türken handle. Auf meinen Einwand, daß er bereits die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, bekam ich als Antwort: "Na ja, Sie wissen ja was ich meine".

Die verdeckten Ermittlungen 1994 haben mir vor Augen geführt, daß entgegengesetzt der vielverbreiteten Ansicht, diskriminierende, ausländerfeindliche und antisemitische Gesinnung nicht nur in unteren sozialen Strukturen verbreitet sind, sondern quer durch alle Bevölkerungsschichten gehen. Sie wird nicht nur gelebt, toleriert, geduldet und findet Akzeptanz, nein sie wird auch noch gefördert. Die Bestätigung der Aussage des JUNGE FREIHEIT-Leserkreisleiters aus Graz durch meinen damaligen Verbindungsmann Koller, daß im österreichischen Innenministerium zwei hochrangige Beamte, bekannte Persönlichkeiten der Rechten Szene waren, verschlug mir regelrecht die Worte. Das es Beamte mit einschlägigen verachtungswürdigen Gedankengut gibt, war mir nicht unbekannt, daß diese jedoch wissentlich in der Fremdenpolizei, der Asylabteilung tätig waren, konnte ich mir nur durch folgende Faktoren begründen: Entweder war es die bereits angeführte Akzeptanz, die Kapitulation vor dem Dunstkreis der Anhängerschaft, Gleichgültigkeit oder Absicht.

Bei der Auseinandersetzung mit der Burschenschaft Olympia merkte ich an der Art und vielleicht auch an den Inhalten, die dabei eine wichtige Rolle spielten, was diese spezielle Art der Kameradschaft bedeutete. Ein streng hierarchisch geführtes Gebilde, wo jeder seinen zugewiesen Platz einnahm. Die Autorität den älteren Semestern gegenüber, bis hin zu den Köpfen der Gemeinschaft, den "alten Herren". Es hatte etwas für sich, es war nachvollziehbar für mich, was junge Menschen in solchen komplex in sich geschlossenen Systemen fasziniert. Die Zeit die wir gemeinsam verbrachten, waren umgeben mit Strömungen wie des Wissens von Verbotenem, dem Geheimnisvollen, der geistigen Einstellung und der eigenen Philosophie. Sie war sehr wertvoll für mich, eine Erfahrung die man einmal machen muß um überhaupt in der Lage zu sein, zu wissen, wovon man redet und worüber man urteilt. Es war dadurch möglich, zu begreifen und vielleicht auch zu verstehen, was nicht gleichbedeutend mit Akzeptanz sein soll, wie derlei Gruppierungen oder auch andere rechts ausgerichtete Gruppen Zulauf haben, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau. Daß, was solche Formen beinhalten und ausstrahlen ist in seiner Art sicherlich etwas Einzigartiges, auch etwas Gefährliches. Die Besonderheit liegt auch darin begründet, Teil einer elitären Gruppe zu sein, wenn dann zusätzlich noch die Prägung der Herrenrasse hinzukommt, dann haben wir es mit einem Potential zu tun, das weit mächtiger und einflußreicher ist, als man gegenwärtig annimmt. Das einzige Attribut, das zwar der als "Farben tragenden" Gemeinschaft im allgemeinen Umgang fehlt, wäre eine klassische Uniform. Dies ist sozusagen der letzte Faktor, der die Krönung darstellen würde. Die Ermittlungserkenntnisse zeigten auch, daß diese Menschen ihren Einsatz als Milizionäre im Österreichischen Bundesheer suchen und finden. Dort, mit Rang und Uniform, schließen sie den von ihnen angestrebten Kreis. Doch wenn es im sogenannten Ernstfall um die zu verteidigenden Rechtsgüter durch diese Soldaten geht, dann eröffnet sich eine unüberwindbare Kluft zwischen den jeweiligen Soldatengruppierungen - von einer Unterwanderung und der Verbreitung des rechten Gedankengutes gar nicht zu reden.

Keiner der Angehörigen der Wiener Akademischen Burschenschaft Olympia kann in Unkenntnis über die Führung des Hauses und ihrer ideologische Ausrichtung sein. Es wird von ihnen als Privileg angesehen, einer derartigen Verbindung anzugehören. Sie sind Akademiker, üben Berufe aller nur erdenklich angesehenen Berufsgruppen aus. Treu dem Schwur, den die Angehörigen gegenüber der Verbindung abgegeben haben, leben sie ihre Ideologie.

Die einzige mir berichtete Reaktion auf meine Erkenntnisse war, daß die Gruppe in der WEGA, die sich wie beschrieben antisemitisch und ausländerfeindlich verhielt, auseinandergerissen wurde. Die Beamten wurden laut Angaben von Kessler versetzt.

Ich habe im Laufe meiner Vordienstzeit als Polizeibeamter (1982-1992) vereinzelt Amtshandlungen gegen Neonazis auf Grund eigener Wahrnehmung eingeleitet. Das Bewußtsein und auch die Medienpräsenz gegenüber der Thematik konnten mich feststellen lassen, daß Veränderungen gegenüber diesen Personengruppen und deren Verfahren folgten. Gesetze wurden verändert und Menschen, die sich heute gegenüber Juden antisemitisch äußern und zur Anzeige gebracht werden, können mit ein paar Euro Verwaltungsstrafe für die Staatskasse rechnen.

Aus dem Justizbereich kommend, mit dem Richteramt versehen, habe ich einen Bekannten, dessen Freundschaft uns schon seit Jahren verbindet. Als wir eines Tages über Recht, Gesetz und Gericht philosophierten, sagte er zu mir: "Mein lieber Walter, von einem Gericht kannst Du Dir ein Urteil erwarten, aber keine Gerechtigkeit".

Gleichsam einer Theateraufführung, dessen Bühnenbild die Fahne der Republik Österreich war, nahm ich an einer Aufführung als Darsteller eine Rolle ein. Das Schicksal fügte die Umstände so, daß ich mich hinter der Bühne wiederfinden sollte und erkennen mußte, daß die Hinterseite der Fahne ein anderes Bild zeigte. Es folgte mein Abgang und seit 1994 versuche ich mich innerlich zu versöhnen, zu verstehen, zu begreifen und gehe immer wieder in den Theatersaal, warte auf eine neue Aufführung mit einer anderen Inszenierung. Es hat seine Zeit gebraucht um langsam zu erfassen, daß nicht das Land dafür verantwortlich zu machen ist, es sind die Menschen. Nun hoffe ich, daß dieses Buch meine Wunden verschließen läßt. Aber ich weiß auch, daß wir an den Verletzungen und Narben wachsen und an Stärke gewinnen. In der Verfassung steht geschrieben: "Das Recht geht vom Volke aus". Ich wünsche mir ein Volk, das die Fähigkeit besitzt, den Mut zu fassen, den Zuschauerraum zu verlassen, die Bühne des Spektakels zu betreten und hinter das Bühnenbild zu blicken.

Zur Sonderseite zum Thema NATIONALSOZIALISMUS im Nachrichtenmagazin DER GLÖCKEL

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